Bretton Woods



Bretton Woods System
Der US-Imperialismus und Bretton Woods


Bretton Woods System
Das System geht ursprünglich auf eine Idee von John Maynard Keynes  zurück, der sein wirtschaftspolitisches Ideal einer gesteuerten Wachstums-ökonomie auch auf globaler Ebene umsetzen wollte. Sein Vorschlag zur Umsetzung dieser Ziele beruhte auf vier institutionellen Säulen:
1. Der Errichtung einer ‚Weltzentralbank‘, die für globale Liquiditäts-
steuerung und die Unterstützung von Ländern mit Exportüberschuss (also jene, die die Weltwirtschaft stabilisieren) verantwortlich ist (er schlug dafür die Schaffung der Weltwährung ‚Bancor‘ vor),
2. eines ‚Fonds für Wiederaufbau und Entwicklung‘, der geförderte Kredite für einkommenschwache Länder zur Verfügung stellt,
3. einer Internationalen Handelorganisation, die insbesondere für die Preisstabilität der Primärgüterexporte sorgt sowie
4. eines institutionalisierten ‚soft aid programme‘ in der Nähe der Vereinten Nationen, über das primär nicht rückzahlbare Zuschüsse
vergeben werden sollten.

Realiter wurde am 27.7.1944 in Bretton Woods (daher die Bezeichnung als Bretton-Woods Institutionen) die Gründung von zwei internationalen Organisation, nämlich der ‚Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung‘ (IBRD oder ‚Weltbank‘) und des ‚Internationalen Währungsfonds‘ (IWF) beschlossen. Die Rolle der Bank wurde also einem Fonds zugewiesen, jene des Fonds einer Bank. Auf die Gründung der restlichen beiden Organisationen wurde anfangs verzichtet, die Beeinflussung des Welthandels aber durch die Institutionalisierung des ‚General Agreement on Tariffs and Trade‘ (GATT) in der Havanna Charta 1948 nachgeholt. Das GATT wurde erst am 1.1.1995 mit der Gründung der ‚Welthandels-organisation‘ (WTO) in einen eigenen organisatorischen Rahmen überführt. Das GATT war von Anfang an
auf eine Liberalisierung des Welthan-dels durch die sukzessive Senkung von Zöllen und den Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse ausgerichtet.

Wesentlichste Zielsetzung von Bretton Woods war die Neuordnung der Weltwirtschaft und Unterstützung des Handels durch ein stabiles internationa-les Währungsregime (Bretton Woods System) mit festen Wechselkursen und dem US-Dollar als Leitwährung. Die wichtigsten Bestandteile dieses Systems waren:

1. Volle Konvertibilität des US-Dollar in Gold bei einem Kurs von 35 US$ pro Unze Gold (die US Notenbank war also verpflichtet, Dollar zu diesem Kurs zu kaufen bzw. zu verkaufen),
2. Verpflichtung der restlichen Zentralbanken, durch Interventionen auf den Devisenmärkten den Kurs ihrer eigenen Währungen innerhalb der festgelegten Bandbreite zu halten,
3. Kreditvergabe des IWF bei vorübergehenden Zahlungsbilanzproblemen,
4. Anpassung der Paritäten bei dauerhaften Zahlungsbilanzschwierig-
keiten.

Das Bretton Woods System brach zusammen, als der US-Dollar gegen Ende der 1960er Jahre nur noch sehr begrenzt dazu in der Lage war, seine Funktion als Leitwährung zu erfüllen. Durch die hohen Finanzierungserfordernisse des Vietnam-Kriegs verfolgten die USA eine inflationäre Politik, die die anderen,
in ihrer Souveränität eingeschränkten Notenbanken nicht mehr mittragen wollten. Gleichzeitig stellten die USA die volle Konvertibilität des US-Dollar
in Gold zunehmend in Frage, hatten sie doch ihre Rolle als unumstrittener Hegemon der Weltwirtschaft durch den schnellen wirtschaftlichen Aufhol-prozess der europäischen Länder und Japans teilweise eingebüßt. Darüber hinaus schwankten aufgrund der ungenauen Regelung, wann die einzelnen Paritäten seitens der beteiligten Länder angepasst werden dürften, die Wechselkurse in immer größeren Breiten. 1971 gab der US-Präsident das endgültige Ende der vollen Gold-Konvertibilität des Dollar bekannt. In den folgenden Jahren entschieden sich daher die meisten Länder zur völligen Freigabe ihrer Wechselkurse, manche gingen untereinander neue Bindungen ein (z.B. die Bindung des österreichischen Schilling an die Deutsche Mark).
Mit den 1970er Jahren nahm man also von der Hoffnung eines stabilen
interna-tionalen Währungsregimes bis auf Weiteres endgültig Abschied.

Heute werden die Relikte der in Bretton Woods getroffenen Vereinbarungen zur Neuordnung der Weltwirtschaft in Form der beiden Bretton-Woods-Institutionen Weltbank und IWF sowie der aus dem GATT entstandenen WTO für ihr sukzessives Abweichen vom solidarischen und stabilisierenden Ursprungsgedanken Keynes‘ scharf kritisiert. Sowohl Weltbank als auch IWF binden ihre Kreditvergabe immer stärker an Konditionen, die in den Augen vieler die Möglichkeiten der Stabilisierung des internationalen Wirtschafts-systems zusätzlich unterminieren, indem sie sich gegen staatliche Interventionen aussprechen und dem Zeitgeist entsprechend primär auf wirtschaftsliberalen Überlegungen basieren. Die einzelnen Positionen zum eingeforderten Wohlverhalten seitens der Kreditnehmer wurden unter dem Begriff ‚Washington Consensus‘ zusammengefasst.

Die WTO vertritt darüber hinaus bei der Liberalisierung des Welthandels
primär die Interessen der Industrieländer. Liberalisierung wird auf jenen Märkten eingeklagt, wo sich die Industrieländer Absatzpotenziale für ihre Güter erhoffen oder Investitionsmöglichkeiten für überschüssiges Finanzkapital erwartet werden. Demgegenüber unterliegen die Märkte für landwirtschaftliche Erzeugnisse nach wie vor starken Protektionen.



Der US-Imperialismus und Bretton Woods
Aus Klassenkampf Nr.28, April/Mai 1985.
Transkription u. HTML-Markierung: Michael Gavin für REDS – Die Roten.

In Bretton Woods, USA, wurde 1943 und 1944 die Weltwirtschaftsordnung
der Nachkriegsperiode festgelegt, indem ein internationales Zoll- und Handels-abkommen, das spätere GATT, vorbereitet und der Internationale Währungsfond (IWF) gegründet wurde.

Beide Einrichtungen waren Ausdruck der Tatsache, daß die USA endgültig
zur führenden wirtschaftlichen Weltmacht aufgestiegen waren, und beide Abkommen stellten die Instrumente bereit, mit denen das amerikanische Kapital seine führende Rolle befestigen und durchsetzen konnte.

Eines der Ziele der USA war, die alten Kolonialmächte - Kriegsverbündete
oder nicht - zur Entkolonialisierung zu zwingen und die ehemaligen Kolonien amerikanischen Waren zu öffnen. Bereits 1942 hatten die USA die Finanz-
und Militärhilfe für Großbritannien davon abhängig gemacht, daß England die besonderen Zoll- und Handelsregelungen mit den Staaten des Empire aufgibt. Die gleiche Politik machten die USA gegenüber der niederländischen Exilre-gierung. Sie setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Unterstützung antikolonialer Befreiungsbewegungen fort, solange und insofern nicht Gefahr bestand, daß dadurch der Einfluß der Sowjetunion gestärkt wurde: So erging es Frankreich in Marokko und Tunesien und England und Frankreich im Fall
der Suez-Krise.

Die Suez-Krise illustriert auch anschaulich die Funktion des Internationalen Währungsfonds: Als England und Frankreich sich der Forderung der USA nach sofortigem Friedensschluß widersetzten, stieß die amerikanische Bundesbank riesige Mengen britischer Pfund ab, so daß die britische Währung zusammen-zubrechen drohte. Nach den Statuten des IWF hätte den Briten das Recht zugestanden, sich beim IWF zu refinanzieren. Es wurde ihnen von der USA jedoch nur gewährt, wenn sie den Friedensvertrag mit Agypten unterzeich-neten.

Mit der Errichtung des IWF wurde der Dollar zur Leitwährung erhoben. Damit fiel eine wichtige Schranke, die der Ausbreitung des amerikanischen Kapitals entgegengestanden hatte. Darüberhinaus sollte der IWF Handelshemmnisse beseitigen, die sich aus internationalen Ungleichge-wichten des Handels ergaben, indem Länder mit Handelsbilanzdefiziten die Möglichkeit erhalten sollten, Dollars beim Fond auszuleihen.

Während der englische Ökonom John Maynard Keynes - verständlicherweise - die Auffassung vertrat, auch die USA als das Land, von dem in den kommenden Jahren die bedeutendsten Handelsbilanzüberschüsse zu erwarten waren, sollten Opfer zur Stabilisierung der Handelsbeziehungen bringen, setzte sich sein Gegenspieler, der US-Unterhändler John Dexter White durch. Das Druckmittel gegenüber England als dem bisherigen Gravitationszentrum des Weltwährungssystems bestand darin, daß die USA vermittels der Bedingungen über die Rückzahlung der Großbritannien gewährten Kriegskredite jederzeit eine Finanzkrise in der Londoner City auslösen konnte. Whites Plan lief darauf hinaus, dem IWF das Recht einzuräumen, allein den Schuldnerländern Auflagen bezüglich ihrer Wirtschaftspolitik zu machen. Diese Auflagen bestehen regel-mäßig in einer brutalen Reduzierung der Löhne und der Sozialausgaben.

Diese Eingriffsmöglichkeiten des IWF entfalten ihre entscheidende Bedeutung seit Mitte der siebziger Jahre mit Einsetzen der Weltwirtschaftskrise und der damit verbundenen Zahlungsbilanzkrise in den industriell gering entwickelten Ländern, als das kapitalistische Modell einer industriellen Entwicklung über Verschuldung zusammenstürzte.

Die Stimmenverhältnisse im IWF richten sich nach den „Quoten“, d.h. nach
der Wirtschaftskraft der einzelnen Länder. Dadurch kontrollieren die kapita-listischen Industrienationen den IWF voll und ganz. Die USA nehmen insofern eine zusätzliche Sonderstellung ein, als gegen ihren Willen an den Quoten und damit an den Stimmenverhältnissen nichts geändert werden kann.

http://www.marxists.de/imperial/hhaenisch/brettonwoods.htm

 


 

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